Carmen Frantz-Kovacs
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Innovationen sind Störungen

Vereinfachen? Verdrängen? Verzetteln? - 7 Tipps zum Umgang mit Komplexität

4/5/2025

 
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Komplexität verstehen und gestalten
Alles scheint wahnsinnig komplex. Viele verlieren den Überblick, Verunsicherung wächst, und die Sehnsucht nach Orientierung nimmt zu. Oft wird „Komplexität“ als Synonym für etwas Schwieriges oder Undurchschaubares verwendet – doch das greift zu kurz.
Der Kybernetiker W. Ross Ashby formulierte im „Law of Requisite Variety“:
„Only variety can destroy variety.“
Ein System kann die Vielfalt seiner Umwelt umso besser absorbieren oder steuern, je größer seine eigene Handlungsvielfalt ist.


Was Komplexität ausmacht
Komplexität beschreibt die Vielfalt möglicher Zustände und Konfigurationen innerhalb eines Systems. Sie wächst mit:
  • der Zahl beteiligter Einheiten,
  • der durch ihr Handeln entstehenden Beziehungen und Wechselwirkungen,
  • sowie der Variabilität von Einheiten und Aktionen.
Im Unterschied zur Kompliziertheit ist Komplexität dynamisch und nicht vollständig vorhersehbar. Ein Uhrwerk mit all seinen „Komplikationen“ bleibt stabil und berechenbar – Komplexität hingegen entwickelt sich eigenständig und entzieht sich vollständiger Kontrolle durch Wissen.

Organisationen und ihre Komplexität
Organisationen entwickeln bewusst mehr Komplexität, um den steigenden Anforderungen ihrer Umwelt zu begegnen. Treiber sind etwa:
  • wachsende Kundenansprüche,
  • zunehmende Produktvielfalt,
  • neue Technologien,
  • internationale Verflechtungen,
  • oder verschärfte Regularien.
Doch Komplexität hat auch eine Schattenseite. Sie zeigt sich in unklaren Verantwortlichkeiten, ineffizienten Prozessen, wachsender Bürokratie, Zielkonflikten und trägen Entscheidungen. Das Ergebnis: sinkendes Engagement, nachlassende Innovationskraft und schlechterer Kundenservice.

Was tun?
Komplexität lässt sich nicht eliminieren – wohl aber gestalten. Die entscheidende Frage lautet: Wie können wir mit Komplexität so umgehen, dass sie zum Erfolgsfaktor wird, statt zur Belastung?
Hier sind sieben konkrete Ansätze dazu.

  1. Vermeiden Sie Redundanzen und Zielkonflikte . Die Strukturen der Organisation sollen dem Zweck und der Strategie dienen. Die funktionalen Anforderungen sind folglich die Grundlage für das Organisationsdesign. Wie gut werden die Anforderungen durch Einheiten, Projekte und Rollen erfüllt? Identifizieren Sie Doppelgleisigkeiten und funktionale Konflikte und überprüfen Sie, wie diese z.B. durch strukturelle oder zeitliche Trennung oder eine bessere organisationale Logik aufgelöst werden können.
  2. Reduzieren Sie die Ebenen. Eine Reduktion der Ebenen führt zu Kostenreduktionen, weniger Informationsverlust, schnelleren Entscheidungen und macht Mikromanagement unwahrscheinlicher. Übertreiben Sie allerdings nicht. Denn dann kehrt die Arbeitsüberlastung der Führungskräfte die wünschenswerten Effekte wieder ins Gegenteil.
  3.  Erleichtern Sie Informationsaustausch und Koordination. Koordinationskosten können reduziert werden, indem man logische Gruppierungen von in Beziehung stehenden Rollen findet. Ein hilfreiches Werkzeug ist die Design Structure Matrix. Bei voraussehbaren Aufgaben erleichtern Planung und Prozesse zur Koordination verschiedener Einheiten. Je weniger voraussagbar Vorhaben sind, desto mehr persönliche, kostenintensive Koordination ist erforderlich. Häufig wird diese allerdings auch dann eingesetzt, wenn sie nicht erforderlich wäre. Die Folge: Mitarbeiter versinken in einer Email-Flut und ineffektiven Meetings.
  4.  Vereinfachen Sie die Strategieentwicklung. Umfangreiche Analysen, Forecasts und Pläne sowie detaillierte Budgets sind in komplexen Situationen nicht zielführend. Identifizieren Sie, mit welchen Stellschrauben sie den Gewinn erhöhen könnten – und was sie bisher daran hindert.  Konzentrieren Sie sich auf diesen Engpass und entwickeln Sie gute Regeln. Diese sind auf eine Handvoll Aspekte begrenzt, lassen sich leicht auf Handlungen und Entscheidungen anwenden und bieten eine klare Orientierung, ohne zu enge Vorgaben zu machen. Überprüfen Sie diese Regeln konsequent und passen sie diese bei Bedarf an.
  5.  Schaffen Sie Freiräume. Gebe Sie ihren Mitarbeitern klare Ziele und die Möglichkeit selbstorganisiert und flexibel zu agieren. Schaffen Sie unnütze Hürden ab und vermeiden Sie Mikromanagement. Prüfen Sie beispielsweise, wie viele Mitarbeiter Kostenabrechnungen oder kleinere Anschaffungen abzeichnen müssen. Oder wie häufig Präsentationen abgestimmt werden müssen, bevor sie freigegeben werden.
  6.  Suchen Sie Vielfalt. Wer komplex denkt, sieht das Ganze, den Zusammenhang. Dafür braucht es die Fähigkeit eine andere Perspektive einzunehmen. Verschiedenartigkeit, soziale Intelligenz und die Fähigkeit zur Improvisation sind Grundbestandteile des Werkzeuges, mit dem man aus der Komplexität das Bestmögliche herausholen kann. Der Schlüssel liegt darin, kluge Leute zu finden, die anders denken. Sie vereint die Neugier bei gleichzeitig unterschiedlichen Fähigkeiten und Erfahrungen. Widerstehen Sie der natürlichen Tendenz sich mit Menschen zu umgeben, die uns ähnlich sind.
  7.  Bleiben Sie gelassen.  Komplexe Umgebungen sorgen oft für Turbulenzen, die kraftraubend sein können. Dinge ändern sich ständig und erhofftes trifft nicht ein. Gelassenheit ist die Kunst, auch in verfahrenen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Sie ist eine Haltung, für die man sich bewusst entscheidet und in der man sich üben muss. Eine wichtige Voraussetzung ist, sich selbst und seine Stressmuster gut zu kennen und mit diesen gut umzugehen. Atemübungen, Bewegung oder einfache die Gedanken auf Papier zu bringen können hilfreich sein.
Die Illusion von Stabilität
Die Welt ist ein Raum voller Überraschungen. Um damit umzugehen, haben wir Vorsorgesysteme geschaffen – ritualisierte Verhaltensmuster, die sich durch Wiederholung ein Gefühl von Stabilität verleihen. Doch diese Stabilität war stets eine Illusion. Früher oder später folgt die Enttäuschung.
Die Akzeptanz von Mehrdeutigkeit und begrenzter Beherrschbarkeit fällt uns schwer. Wir sehnen uns nach einfachen Antworten. Vereinfachung ist wichtig und oft hilfreich – aber nur in einem gewissen Maß.
Albert Einstein brachte es auf den Punkt:
„Alles muss so einfach wie möglich gemacht werden, aber nicht einfacher.“


Strategie ≠ Planung

3/15/2025

 
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„Sie sollten strategischer denken“ – schon einmal gehört? Vielleicht haben Sie sich gefragt, was damit eigentlich gemeint ist. Ist Strategie nicht Sache des Vorstands oder der Strategieabteilung? Warum also sollten auch Sie strategisch denken?

Strategisches Denken bedeutet weit mehr, als sich mit Markt, Kunden und Wettbewerbern auseinanderzusetzen. Es umfasst ebenso die Reflexion über die eigene Organisation – und die Menschen, die sie prägen. Strategie ist nicht allein Chefsache: Sie betrifft jeden Einzelnen und jedes Team, weil sie Orientierung für Entscheidungen auf allen Ebenen schafft.

Ein Plan ist keine Strategie
Was oft als „strategische Planung“ bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit meist nur eine Sammlung geplanter Aktivitäten. Planung beschreibt, was getan werden soll.
Strategie dagegen ist ein integriertes System von Entscheidungen, das ein Unternehmen auf einem gewählten Spielfeld erfolgreich positioniert.


Dahinter stehen zwei zentrale Fragen:
  1. Warum sollten wir genau auf diesem Spielfeld agieren – und nicht auf einem anderen?
  2. Wie bedienen wir dort die Kundenbedürfnisse besser als unsere Wettbewerber?
Die Antworten darauf müssen sowohl überzeugend als auch umsetzbar sein. Nur dann können sie die Unternehmensziele tatsächlich tragen.

Planung konzentriert sich vor allem auf Ressourcen. Einmal genehmigt, ist sie leichter steuerbar und daher bequemer als Strategie. Doch echte Strategie verlangt mehr: Klarheit über Richtung, Abgrenzung und die Fähigkeit, Wettbewerbsvorteile zu schaffen.

Strategie fokussiert sich auf die intendierte Wirkung.
Das bedeutet Kunden müssen die Angebote nachfragen. (Dies gilt auch für interne Kunden). Die Herausforderung dabei ist, dass Sie ihre Kunden nicht zwingen können. Diese entscheiden, ob sie die Angebote annehmen. Daher können Sie nur mit Annahmen starten, von deren Erfolg Sie überzeugt sind. Sie können es vorne herein weder beweisen und noch garantieren.
Das erfordert gründliches Nachdenken darüber, wo man hinwill. Die Voraussetzung dafür ist, zu wissen, wer man ist und wer man sein möchte. Es geht dabei um
  • Hinterfragen von Annahmen, Gewohnheiten und Praktiken
  • Beobachtung des Großen und Ganzen- die Verbindung von Menschen und Ideen
  • Reflexion- Worum geht es? Wer ist beteiligt? Was steht auf dem Spiel? Was ist passiert, warum und wofür?
 
Es geht nicht nur um Analyse, sondern auch um Synthese. Strategisches Denken erfordert nicht nur Rationalität, sondern auch Kreativität. Es erfordert die Situation so zu sehen wie sie ist, nicht besser oder schlechter und die Fähigkeit sich das vermeintlich Unmögliche vorzustellen.

Strategisches Denken bedeutet Klarheit darüber zu haben, was Sie tun werden und vor allem was Sie nicht tun werden.
Welche Entscheidungen sind wann zu treffen, und wie kann man sie rückgängig machen, wenn sie sich als falsch erwiesen haben? Entscheidungen- sei es darüber, was Sie tun wollen, oder darüber, was Sie unterlassen wollen - sind ein wesentliches Element von strategischer Arbeit.

Großartige strategische Denker erkennen Sie daran, dass sie ihre strategischen Entscheide aktiv ver­teidigen. Es geht darum, fokussiert in der einge­schlagenen Richtung zu bleiben. Dies auch, wenn Sie über neue (vermeintliche) Fakten informiert werden, warum man nun dieses oder jenes anders machen muss.

Das heißt allerdings nicht „stur“ den Weg zu verfolgen. Bei der Entwicklung von Strategien werden unzählige Annahmen getroffen und natürlich sind auch Fehl­annahmen darunter. Zudem ändern sich die Rahmen­bedingungen stetig. Flexibili­tät und eine Änderung aus gutem Grund sind erfolgsentscheidend.

Zeit für strategisches Denken finden
Wenn sie nicht als strategischer Denker gesehen werden, liegt das vielleicht daran, dass Sie zu beschäftigt sind. Welchen Anteil Ihrer Arbeitszeit verbringen Sie jede Woche in Meetings, für die Bearbeitung von E-Mails und "dringenden" Fällen?

Möglicherweise ist jede Minute zum Nachdenken längst verplant. Die Folge davon sind Entscheidungen, die eher auf Reflexen als auf Reflexion beruhen. Daher ist es notwendig Raum für strategisches Denken zu schaffen.

Niemand wird diesen Raum schaffen, wenn nicht Sie selbst.
  • Das beginnt mit der Einsicht, dass dieser Raum wichtig und zu verteidigen ist.
  • Es erfordert die Fähigkeit und den Mut an geeigneter Stelle NEIN zu sagen
  • Sie brauchen die Disziplin daraus eine gute Gewohnheit zu machen.

Strategisches Denken beinhaltet, Trends zu identifizieren und Einsichten von unterschiedlichen Quellen zu erlangen. Es berücksichtigt das Wahrscheinliche, das, was aller Voraussicht nach eintreten kann. Die Gegenwart verläuft nicht in gerader Linie weiter in die Zukunft. Doch bestimmte Systeme, Kulturen, Ordnungen legen bestimmte Verhaltensweisen nahe. Und man kann nach menschlichem und fachlichem Ermessen vorhersehen, wie sich ein Teil des Systems verhält, wenn man auf eine bestimmte Weise darauf einwirkt.

Strategisches Denken zeichnet sich nicht dadurch aus, dass es uns Gewissheit verschafft, sondern dass es uns auch auf schwierige Situationen vorbereitet.

Wie vermeiden Sie die Planungsfalle?
Planung vermittelt, wie erwähnt, ein angenehmes Gefühl, weil es Sicherheit vermittelt. Strategie ist mit Unbehagen, weil mit Unsicherheit verbunden. Wir sind darauf geschult, Dinge zu unternehmen, deren Erfolg wir im Voraus beweisen können. Mit unserer Strategie können wir das nicht.
Was wir tun können, ist die dahinterliegenden logischen Annahmen transparent darzulegen. So können wir in der Umsetzung einzelne Elemente anpassen, wenn unsere Annahmen nicht richtig waren, oder die Umstände sich geändert haben. Strategie ist eine Reise und kein Konzept.

Was meinen Sie?



Vier Wege zu mehr Anpassungsfähigkeit

2/8/2025

 
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Bild: Mark Stoop
Wodurch wird eine Organisation erfolgreich?
Die Antwort hängt von der Perspektive ab. Im Alltag tragen eingespielte Routinen, Qualität und Effizienz den Betrieb. Über den zukünftigen Erfolg entscheidet jedoch etwas anderes.

Verändern sich die Rahmenbedingungen, sind auch Organisationen gefordert, sich neu auszurichten. In einem dynamischen, komplexen Umfeld ist eine neu Denkweise gefragt- Anpassungsfähigkeit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

1. Anders führen
Damit Organisationen ihre Anpassungfähigkeit stärken können, benötigen sie Mitarbeitende, die flexibel agieren und wandlungsbereit sind. Dies wiederum erfordert ein Führungsverständnis, das Entwicklung ermöglicht und Veränderung fördert. 

Führung verabschiedet sich  von exklusiven Entscheidungsprozessen hinter verschlüssenen Türen. Fürhung heißte heute: Entscheidungen im Dialog zu treffen. Information ist kein Privileg mehr- in ihre Fülle und Vielfältigkeit muss sie klug kanalisisert werden.

Im Dialog werden Zweck, Zielrichtung und Werte der Organisation definiert. Regelmäßige Diskussionen führen zu mehr Transparenz und Vertrauen, bei der offen über Chancen und Herausforderungen gesprochen werden kann. Als Führungskraft werden Sie so in erster Linie zum Kurator einer neuen Kultur.

Unser Verhalten wird durch unsere Glaubenssätze beeinflusst, die auf Werten und Prinzipien beruhen. Wenn diese mit jenen der Organisation in der wir tätig sind, übereinstimmen, setzen wir uns mehr ein und werden mit größerer Wahrscheinlichkeit das Richtige tun. Ist das nicht der Fall, sinkt unser Engagement und wir befolgen im besten Fall nur noch die Vorgaben.

Das macht gemeinsam getragene Werte so wichtig und das Vorleben durch Führungskräfte so wirksam. Wenn Sie möglichst transparent sind und die Zusammenarbeit suchen, werden Ihre Mitarbeiter ihr Verhalten eher verändern. Das klingt so naheliegend wie selbstverständlich, ist in der Praxis oft nicht der Fall. Gerne ortet man den Veränderungsbedarf nur bei den anderen.

Sind Zweck, Zielrichtung und Werte definiert erfolgt die Umsetzung durch die Mitarbeiter im besten Fall selbstorganisiert. Auch wenn Autonomie ein wesentliches Merkmal von Selbstorganisation ist, brauchen die Mitarbeiter Führung. Wie weit Selbstorganisation geht und Führungskräfte intervenieren, hängt von den Fähigkeiten der Teammitglieder zur Selbststeuerung ab.

Welchen Unterstützungsbedarf einzelne oder das ganze Team haben erfahren sie am besten, indem sie ihnen  gut zuhören. Im Design-Thinking spricht man von empathischem zuhören, um herauszufinden, worum es wirklich geht und wie man die Probleme am besten lösen kann.

Ein wichtiger Führungs-Aspekt ist jedenfalls die Gestaltung der Rahmenbedingungen und der Beziehungen zur "restlichen" Organisation. Erfolgskriterien dafür sind soziale Intelligenz, unternehmenspolitisches Geschick und ein "Growth-Mindet". Dieser beschreibt den Glauben daran, dass sich Menschen jederzeit entwickeln und wachsen können. Menschen mit einem Growth-Mindset sind neugierig, mutig und handlungsorientiert.


2. Kontext anpassen
Professionelles Handeln basiert traditionell auf einer sorgfältigen Analyse. In einem relativ stabilen Rahmen ist das sinnvoll, in einem dynamischen bedeutet es schlichtweg Zeitverschwendung und Entscheidungen auf falscher, weil scheinbar sicherer Basis.

Wenn Analyse an ihre Grenzen stößt, was dann? Handeln ist das wirksamste Gegengift für „Paralyse durch Analyse“. Wie schafft man eine gute Umgebung dafür?
  1. Verabschieden Sie sich vom jährlichen Planungs- und Budgetierungszyklus. Er kostet viel Aufwand und liegt immer öfter daneben. Fokussieren Sie sich besser auf kurzfristigere, dynamische Ziele. Die  OKR Methode, die z. B. auch Google erfolgreich einsetzt, bietet einen guten Rahmen dafür. Für einen Zeithorizont von neunzig Tagen werden mit der Strategie verknüpfte OKR's festgelegt. O steht für Objectives, für drei bis fünf qualitative Ziele, die man erreichen will. K für Key Activities definiert, welche konkreten Aktivitäten zur Zielerreichung führen sollen. R-Results, woran man die Zielerreichung konkret feststellen oder messen kann. Die Einfachheit, der kürzere Zyklus und die konkrete Handlungsorientierung unterstützen die Agilität des Teams.
  2. Schaffen Sie einen sicheren (Probier-) Raum. Um eine neue Logik gedeihen zu lassen, brauchen ihre Mitarbeiter psychologische Sicherheit. Sie beschreibt eine Umgebung, in der man offen Ideen und Meinungen äußern kann, ohne negative Konsequenzen zu befürchten. Bevor Leute ein Experiment wagen, müssen sie sich sicher fühlen, auch daneben liegen zu dürfen.  Anerkennen Sie also Fehler genauso wie Erfolge und betrachten sie auch diese als Fortschritt und Quelle für Erkenntnisgewinn.
  3. Etablieren Sie eine Crowdsourcing-Plattform für interne Experimente an der sich alle Mitarbeiter beteiligen können. Ermuntern sie die Mitarbeiter Initiativen zu starten und interessierte Kollegen zu rekrutieren.

3. Fehler machen
Zukunftsorientierte Unternehmen geben jene Pläne auf, die sich als präzise Vorhersagen tarnen. Sie haben eine Zielrichtung vor Augen, gehen in der Umsetzung aber auf Basis von Hypothesen vor. Sie experimentieren mit Produkten, Arbeitsweisen und Strukturen. Veränderung ist kein hin und wieder auftretendes Ereignis mehr.  Sie ist ein Teil der täglichen Arbeit.

Ein Experiment ist ein Versuch. Die Grundlage ist eine Hypothese, eine anhand empirischer Daten zu prüfender Annahme. Der Ausgang ist offen. Ziel ist ein Erkenntnisgewinn, kein vorher festgelegtes Ergebnis. Damit sinkt der Erwartungsdruck. Mut und  Motivation steigen. Allein der Begriff "Experiment" schafft bessere Voraussetzungen, einmal etwas  zu wagen, etwas Neues zu probieren. 

Es ist besser zu experimentieren und danebenzuliegen, als keine Fehler zu machen und nichts dazuzulernen. "Hier darf man Fehler machen" heisst allerdings nicht unvorsichtig und nachlässig zu sein.
Experimentierfreude ist kein Freibrief für Beliebigkeit und Inkompetenz. Sie erfordert große Disziplin, ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, eine ausgezeichnete Feedback-Kultur und eine starke Führung.

4. Mehr als nur schnell sein
Wie jede Methode hat auch das agile Vorgehen seine Schwachpunkte. So macht das hohe Tempo die Beteiligten oft voreingenommen. Zwei Kompromisse machen sie erfahrungsgemäß besonders häufig.


Statt sich die Zeit zu nehmen, neue Fertigkeiten zu entwickeln, bleiben sie erstens bei ihren vorhandenen Fähigkeiten und begrenzen somit die Möglichkeiten ihrer Lösung. Zweitens beschränken sie sich meist darauf, das Bestehende schrittweise zu verbessern.

Oft sind die zweiwöchigen Sprints "das eigentliche Ding" und die Teams bekommen nie die Zeit und den Raum einen Schritt zurückzutreten und nachzudenken, was nötig ist, um Kunden wirklich zu begeistern.

Das soll nicht heißen, agile Methoden zu verwerfen. Sie sind hocheffektive Werkzeuge speziell für software- getriebene Produktentwicklungen. Sie haben eben auch ihre Grenzen.

Eine gute Alternative kann die Kombination von agil und dem sogenannten "backwards approach" sein, die z.B. Amazon sehr erfolgreich seit 2004 einsetzt.

Amazons Zugang ist zuerst eine glasklare Vorstellung von der Lösung zu haben. So sollen die Mitarbeiter zuerst einen Pressetext verfassen, der den Wert für den Kunden beschreibt, bevor ein Produkt entwickelt wird.  Konkret wird das zu lösende Problem beschrieben, die vorhandenen Lösungen und wie ihre hypothetische Lösung den Kunden überzeugen wird.

Wenn die Amazon Mitarbeiter dies nur schwer erklären können, wird es einfach nicht gebaut. Jedes Produkt sollte den Oprah Test bestehen. Würde Oprah diese Beschreibung in ihrer Sendung vorlesen, würde sie begeistern oder langweilig klingen?

„Probleme kann man nicht mit derselben Denkweise lösen, mit der sie entstanden sind“, bemerkte Albert Einstein. Eine neue Denkweise entsteht, in dem man etwas Neues probiert, wagt. Dabei wird Einiges schiefgehen. Das gehört dazu. Die gewonnenen Erkenntnisse daraus sind der „Treibstoff“ für Innovation. Das kostet Zeit, Geld und Kraft. Irgendwann findet sich eine bessere Lösung und wer immer beim Alten bleibt, verliert jedenfalls.

UNTERNEHMENSKULTUR- 6 Tipps für einen erfolgreichen Wandel

12/12/2024

 
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Bild: Charlie Firth

Kultur entscheidet über Erfolg

Eine starke Unternehmenskultur ist kein ‚weiches Thema‘, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor. Sie prägt die Umsetzung von Strategien und beeinflusst damit maßgeblich den langfristigen Unternehmenserfolg. Dabei geht es um weit mehr als das bloße Wohlbefinden der Mitarbeitenden

Kultur ist nicht Teil des Spiels – sie ist das Spiel.
Sie formt Strukturen, Prozesse und Verhaltensweisen einer Organisation – und wird zugleich durch diese geprägt. Doch was passiert, wenn die Kultur nicht mehr trägt? Wenn Risikoscheu, Misstrauen oder eine allzu enge Perspektive die Entwicklung blockieren?

Kulturwandel – komplex und anspruchsvoll
Die Veränderung einer Organisationskultur ist kein Projekt mit klaren Meilensteinen, sondern ein vielschichtiger Prozess, der Ausdauer verlangt. Rückschläge gehören unweigerlich dazu. Wer sie nicht einkalkuliert oder den Weg vorschnell verlässt, gefährdet den Erfolg.
Jede Organisation ist einzigartig und benötigt für die Gestaltung ihrer Kultur individuelle Ansätze, eine spezifische Architektur und gezielte Interventionen.

Kulturwandel ist anspruchsvoll, weil er alles betrifft und doch schwer greifbar bleibt. Er rührt an den Grundfesten einer Organisation – und wirkt deshalb oft riskant. Doch die Frage ist nicht, ob Kultur sich verändert, sondern wie bewusst dieser Wandel gestaltet wird.

Die Kultur als Garten
Ein Garten lässt sich nicht wie ein Haus ‚bauen‘. Er entsteht im Wachsen, verändert sich fortwährend und verlangt besondere Fähigkeiten: Aufmerksamkeit, Behutsamkeit und ein feines Gespür für das Zusammenspiel von Pflanzen und Umfeld. Welche Bedingungen – Boden, Licht, Nährstoffe – fördern Wachstum? Und wie können Hindernisse für Entwicklung gemindert oder beseitigt werden?

Ähnlich verhält es sich mit Kultur. Sie gedeiht dort, wo der Rahmen stimmt, Ressourcen verfügbar sind und Barrieren gezielt abgebaut werden.
Sechs entscheidende FaktorenDamit Kulturwandel gelingt, braucht es einige unverzichtbare Elemente. Hier sind sechs wesentliche Faktoren, die den Unterschied machen:
1. Klarheit über das WOZU der Kulturveränderung und wie diese die STRATEGIE unterstützen soll
Auch wenn es um Kultur geht, gibt es Modeerscheinungen. Manche Organisationen wollen sich eine neue Kultur verpassen, wie ein neues Outfit. Naturgemäß bleibt diese dann auch dort, an der Oberfläche. 

Will man mehr, dann ist ein gemeinsames Verständnis von Kultur und wozu deren Veränderung dienen soll, unverzichtbar. Dabei ist es wichtig, konkret zu zeigen, wie die Kulturveränderung zur Erreichung strategischer Ziele beitragen soll.

Kulturveränderung ist ein Business-Projekt und nicht nur ein HR-Projekt. HR kann einen wichtigen Beitrag leisten und den Wandel unterstützen, nicht aber die Verantwortung übernehmen. Die liegt in den Geschäftsbereichen. Die Verbindung mit der Strategie muss klar und nachvollziehbar sein.

Ebenso wichtig ist es, klare und messbare Resultate festzulegen. Wie soll sonst ein Fortschritt beurteilt werden? Auch wenn Kulturelemente selbst oft schwierig zu messen sind, kann die Wirkung von neuen Verhaltensweisen sehr wohl beurteil werden.

Wenn keine konkrete Verbindung zwischen der Kultur und der Performance der Organisation hergestellt wird, wird die Verantwortung zur Kulturveränderung zu einer individuellen Angelegenheit statt sie als organisationales Vorhaben zu verstehen und verliert so schnell an Priorität.
 
2. Fokus auf WENIGE Kulturelemente und SPEZIFISCH auf die Organisation zugeschnitten
Kulturentwicklungsprogramme lesen sich häufig wie eine Wunschliste mit Eigenschaften, die attraktive Unternehmen aktuell  haben sollen. Die Begriffe sind abstrakt und austauschbar. Es ist eine weitverbreitete Fallgrube, den Versuch zu unternehmen, die Kultur erfolgreicher Unternehmen nachzuahmen.  

Die Folge? Keiner kennt sich mehr aus, nichts passt zusammen. Dieses Vorgehen ist das Gegenteil von strategischem Agieren. Da geht es um Differenzierung und eine bewusste Auswahl bei begrenzten Ressourcen. Dies gilt auch für die Kultur. 

Alles sein zu wollen ist nicht nur unmöglich, sondern bringt auch nicht den erhofften Erfolg. Es erinnert an Lokale, die umfangreiche Speisekarten anbieten und wo dann alles ein wenig "schal" schmeckt.

Am Anfang steht daher die kluge Wahl. Welcher Aspekt der Kultur ist der größte Treiber für den Erfolg? Idealerweise beginnt man  mit einem Element, das man verändern möchte. 

Wenn ein gewisses Momentum erreicht ist, kann man dann nachlegen und wenige weitere aufnehmen. Wie bei Verhaltens- und Einstellungsänderungen auf individueller Ebene sind es kleine Schritte, die den Erfolg bringen. 

3. Kommunikation und VORLEBEN des Management-Commitments und Klärung der Rollen und Verantwortungen für den Wandel
​
Wie die Mitglieder des Managements über die angestrebte Kulturveränderung reden und sich selbst verhalten ist möglicherweise das Wichtigste.

Häufig wird die Rolle des Top Managements darin gesehen, die anzustrebende Kultur zu definieren und dann zu verkünden. Das ist nicht nur unzureichend, sondern kann die Lage tatsächlich verschlechtern.

Auch Top-Manager sind Teil der Veränderung nicht nur als Gestaltende, sondern auch als Betroffene. „Die anderen sollen sich ändern, wir leben den Idealzustand schon.“ ist eine unglückliche Haltung und unterwandert die Glaubwürdigkeit des Vorhabens.

Die Reflexion und Anpassung des eigenen Verhaltens sind daher von größter Bedeutung. Unterbleibt dies, führt es zu Vertrauensverlust in das Management und zu Zynismus in der Organisation.

Bevor man also eine Kulturveränderung ankündigt, sollte man daher seine eigene Bereitschaft zur Verhaltensänderung überprüfen oder es sonst lieber bleiben lassen.

​4. KONTEXT und MUSTER beachten, nicht nur individuelle Verhaltensweisen
​
Kulturveränderungen zielen häufig auf individuelle Einstellungen und Verhaltensweisen ab. Das ist zu wenig und führt nicht zur gewünschten Entwicklung. 

Menschen nehmen in Organisationen verschieden Rollen ein. Mit diesen verbinden sie selbst und andere Erwartungen. Die Gestaltung dieser Rollen erfolgt immer relational, in Beziehung zu anderen. Einstellungen und Verhaltensweisen entwickeln sich in Abhängigkeit von anderen und können meist auch nur gemeinsam geändert werden.

Der Trick an der Sache ist, dass diese gegenseitigen Abhängigkeiten oft nicht bewusst sind. So ist das Identifizieren dieser Muster ein wichtiger Schritt, der einige Erfahrung mit Kulturentwicklung erfordert.

Auch die Anpassung von Kontextfaktoren, wie die Rekrutierungs- und Entwicklungsprozesse, das Performance-Management, die Struktur selbst oder die Raumgestaltung leistet einen wesentlichen Beitrag.

5. Einbeziehen von FREIWILLIGEN aus ALLEN Bereichen und auf allen Ebenen um die Übernahme von VERANTWORTUNG zu stärken
Wann haben sie sich das letzte Mal geändert, weil es ihnen jemand gesagt hat? Das ist wohl lange her, wenn es überhaupt jemandem gelungen ist. Wir ändern unsere Ansicht und unser Verhalten, weil wir zur Einsicht gekommen sind, dass es anders nicht weiter geht oder besser wird, nicht weil es uns jemand sagt.

Natürlich kann man mit Zwang arbeiten, mit Belohnung und Bestrafung. Kurzfristig ist das der einfachste Weg. Die Leute machen dann genau das was man beobachtet und sind sehr kreativ, dass System auszutricksen. Schade um diese Energie. 

Viel aussichtsreicher ist es, Menschen einzuladen, die neugierig sind und Freude an Veränderung haben. Sie sind es, die auch bereit sind, Neues auszuprobieren und Risiken einzugehen. Wenn sie zeigen, dass der neue Weg funktioniert und dem alten jetzt und in Zukunft überlegen ist, werden die anderen folgen. 

Die Veränderungskraft entwickelt sich so an vielen Stellen in der Organisation, in unterschiedlichsten Funktionen und auf allen Ebenen. Das Vertrauen steigt, wenn die Leute sehen, dass auch eine/r von ihnen den neuen Weg erfolgreich geht.

Erfolgreiche Kulturveränderung wird geführt, von formellen und informellen Führungskräften, die Verantwortung übernehmen und so die Zukunft gestalten.

6. Wertschätzung der Stärken der BESTEHENDEN Kultur und KONSEQUENT dranbleiben
​Wenn über Kulturveränderung gesprochen wird, fühlen sich Leute, die schon länger dabei sind, oft verraten. Das Bestehende wird im besten Fall ignoriert oder sogar abgewertet. Vieles für das diese Leute sich eingesetzt haben, die Extrameile gegangen sind, ist nichts mehr wert. Sie kriegen in der Veränderungseuphorie keine Aufmerksamkeit.

Ein großer Fehler. Denn natürlich sollen Dinge auch gleich bleiben und aus gutem Grund bewahrt werden. Gruppen und Organisationen entwickeln eine Identität, wie Menschen auch. Auch wenn sie sich weiterentwickeln, wollen sie „sie selbst bleiben“ und sich nicht völlig auflösen. 

Gerade für die, die schon länger in der Organisation sind, ist dies oft wichtig. Sie wollen erleben, dass sich ihre Mühen gelohnt haben und nach wie vor als wichtig und richtig angesehen werden. 

Wie bei Neujahrsvorsätzen besteht auch die Gefahr nach den ersten Erfolgen den „Sieg“ auszurufen. Diesem trügerischen Eindruck zu folgen ist gefährlich. Denn das Risiko ist groß, früher oder später wieder in die alten Muster zu fallen. Es braucht langen Atem, Disziplin und Training bis die neuen Denk- und Verhaltensweisen eingeübt werden und nach gegebener Zeit zur Gewohnheit, zur neuen Kultur werden.
 
Wir leben in einer Zeit des Umbruchs auf vielen Ebenen. Annahmen und Verhaltensweisen, die uns bisher erfolgreich gemacht haben, gelten oft nicht mehr. Viele Entwicklungen finden parallel mit einer bisher nicht erlebten Geschwindigkeit statt. 
 
Die relevanten zu antizipieren und sich entsprechend anzupassen ist große Führungskunst. Diese kann nicht mehr von einem kleinen, benannten Kreis in der Organisation realisiert werden, sondern braucht die Intelligenz und Kraft an vielen Stellen in der Organisation.

So nutzen sie die Chancen hybrider Zusammenarnbeit

1/26/2022

 
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In den letzten beiden Jahren hat sich die Art unsere Zusammenarbeit grundlegend verändert. Wir haben gelernt, dass wir besser virtuell arbeiten konnten, als vermutet. Viele genießen die Möglichkeit, von zu Hause arbeiten. Sie erspart ihnen die Zeit für die Fahrt ins Büro, die Störungen durch Mikromanagement und Lärm im Großraumbüro.
 
Andere fühlen sich zunehmend isoliert und ausgelaugt. Mit der Zeit vermissen Mitarbeiter* den Austausch mit den Kollegen. „Merken Sie auch, dass die Energie verloren gegangen ist, dass die Leute immer gereizter werden? wurde ich unlängst gefragt. Die vielen, kleinen, informellen Interaktionen im Büro haben schlichtweg einen großen Einfluss auf die Motivation, den Informationsfluss und die Qualität von Entscheidungen.
 
Die Leute wünschen sich Flexibilität und auch persönlichen Kontakt.
Nach dem abrupten Wechsel zum Home-Office am Beginn der Pandemie überlegen viele Unternehmen nun ein nicht minder anspruchsvolles Vorhaben, hybride Arbeit einzuführen.
 
Hybride Arbeit bedeutet, dass teilweise im Büro und im Home-Office , synchron und asynchron zusammengearbeitet wird. Ist hybride Arbeit die Zukunft, weil es die Nachteile der reinen Büro- oder Tele-Arbeit ausgleicht? Sie kann die Flexibilität und die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern. Sie kann auch Kosten und den ökologischen Fußabdruck reduzieren. Gut organisiert, wird weniger Büroraum benötigt und durch den Wegfall des täglichen Pendelns weniger CO2 produziert.
 
In vielerlei Hinsicht sind hybride Teams allerdings schwieriger zu managen als Teams, die ausschließlich remote arbeiten oder im Büro. Mit hybrider Arbeit wird alles komplexer, nicht umgekehrt.
 
Der Wechsel zu hybrider Arbeit ist keine Fortführung der Arbeit vom Home-Office.
Er ist ein einschneidender Moment, an dem neue Fragen gestellt werden sollten.
  • Was soll im Home-Office gemacht werden, was im Büro? Welchem Zweck soll das Büro zukünftig erfüllen?
  • Wie fördern wir die Entwicklung aller, wenn Leute zu Hause, im Büro oder anderswo arbeiten?
  • Wie passen wir die Organisation an, wenn Geschäftsprozesse und Kundeninteraktionen zunehmend digital werden?
 
Der Wechsel zur hybriden Arbeit ist eine strategische Chance für jede Organisation - eine, die ein neues Zusammenarbeitsmodell erfordert. Man braucht einen Plan und Regeln. Unternehmensweite Normen geben den Leuten Orientierung, wie, wann und wo sie arbeiten. Viele Unternehmen definieren z.B. eine bestimmter % der Arbeitszeit sein, der vom Home-Office gearbeitet werden kann. Wichtig ist, sich als gesamte Organisation auf eine Basis zu einigen und zu klären, welche Entscheidungen zentral und welche dezentral getroffen werden sollen.
 
Dazu gehört auch die Wahl der Hybriden Zusammenarbeitsform.
  • Remote basiert: Leute arbeiten hauptsächlich remote und treffen sich nur gelegentlich zur persönlichen Diskussion und Zusammenarbeit.
  • Gemischt: ein Teil der Leute arbeitet im Büro und die anderen Remote
  • Office basiert: Leute arbeiten hauptsächlich im Büro und können in begrenztem Ausmaß remote arbeiten
  • Geteilt: ein Teil der Leute arbeitet an bestimmten Tagen remote, während die anderen im Office sind
 
Führungskräften brauchen angemessenen Gestaltungsraum.
Führungskräfte müssen in der Lage sein, Anpassungen für ihren Bereich entsprechend ihrer Geschäftsanforderungen und Mitarbeitererwartungen treffen. Dies beinhaltet auch Entscheidungen über Ausstattungen für das Home-Office.
 
Sie brauchen die Möglichkeit, neue Regeln für ihr Team einzuführen, wie etwa meetingfreie Tage. Eine aktuelle Studie hat herausgefunden, dass drei meetingfreie Tage die optimale Balance zwischen Produktivität, Zufriedenheit und Kooperation ermöglichen. (https://sloanreview.mit.edu/article/the-surprising-impact-of-meeting-free-days/?use_credit=78252da47ac569c8142bcd049579ce4b)
 
Die Pandemie brachte nämlich eine Explosion an Online Meetings. Gleichzeitig begannen die Leute mehr asynchron zu kommunizieren, über Emails, Chats und Corporate Social Media. Für viele war das zu viel. In einer Studie sagten 54%, sie seien überlastet und 39%, sie sind erschöpft. (https://www.microsoft.com/en-us/worklab/work-trend-index/hybrid-work)
 
Ein großes Missverständnis ist der Glaube, dass Zusammenarbeit nur dann stattfindet, wenn alle im gleichen (virtuellen) Raum sind. Wenn Mitarbeiter im Büro sind, interagieren sie spontaner und öfter mit Leuten außerhalb ihrer Teams. Allerdings ist die gemeinsame Anwesenheit im Büro noch kein Garant für Zusammenarbeit. Der Schlüssel für Erfolg ist zu wissen wann man wie zusammenarbeitet und wann besser nicht.
Erfolgreicher Zusammenarbeit beantwortet drei Fragen:
  1. Was wir tun – Aufgaben und Rolle, die jeder übernimmt
  2. Wie wir es tun- Methoden, Prozesse, Regeln inkl. wie wir uns treffen und entscheiden
  3. Warum wir es tun- die Wirkung, die wir gemeinsam erzielen wollen- der Zweck und die Ziele des Teams- das wichtigste Element.
 
Asynchrone und synchrone Zusammenarbeit in gute Balance bringen.
Unter Zusammenarbeit wird oft gemeinsam arbeiten verstanden. Das ist ein wichtiger Aspekt. Zusammenarbeit bedeutet allerdings mehr. Sie bedeutet, dass wir gemeinsam etwas erreichen wollen. Sie erfordert nicht, dass die Teammitglieder immer gemeinsam arbeiten müssen.
 
Meetings sind für bestimmte Aufgaben ein nützliches Werkzeug. Sie sind wertvoll, um einander kennenzulernen, Beziehungen aufzubauen oder Konsens herzustellen. Sie sind allerdings nicht so gut geeignet, um andere Arten von Information auszutauschen. Zu viele Meetings führen unweigerlich zur Überlastung.
 
Für hybride Zusammenarbeit ist das Verständnis von synchroner und asynchroner Arbeit wichtig.
  • Synchron bedeutet, dass alle zur gleichen Zeit virtuell oder analog interagieren.
  • Asynchron ist die Zusammenarbeit, wenn Interaktionen zeitverschoben stattfinden. Dokumente hochgeladen, Kommentare in geteilten Workspaces platziert werden…
 
Natürlich erzeugen auch asynchrone Werkzeuge Arbeit. Um die Vorteile asynchroner Technologien zu nutzen ohne neue Belastung zu schaffen, müssen wir sie intelligent einsetzen. Sie helfen Meetings effektiver zu machen oder ganz zu ersetzen. Sie können die Zusammenarbeit fördern und nicht nur räumliche, sondern auch zeitliche Barrieren abbauen.
 
Welcher Mix am nützlichsten ist, muss jedes Team für sich herausfinden und daraus Regeln für ihre Zusammenarbeit ableiten. So können Regeln, wie Emailfreie Zeiten unternehmensweit wenig effektiv, aber für ein Team, das seine Dokumente und Nachrichten über andere Kanäle organisiert, sehr nützlich sein.
 
Mitarbeiter brauchen klare Leitlinien, welches Werkzeug in welcher Situation am besten die Zusammenarbeit unterstützt. Es obliegt Führungskräften dabei zu helfen, eine bessere Balance zwischen Videocalls und asynchroner Zusammenarbeit zu finden. So können Pre-Reads als Standard vor Meetings helfen zu entscheiden, wer am Meeting teilnehmen soll. Damit man nichts „versäumt“ können nicht sensitive Materialien, die im Meeting diskutiert wurden, allen in der Organisation zugänglich gemacht werden.
 
 “Punctuated collaboration” verspricht Abhilfe gegen Online-Meeting Überlastung. (https://time.com/charter/6120309/punctuated-collaboration-remote-hybrid-work/). Die wesentlichen Eckpfeiler sind:
  1. On Site Tage strategisch mit denjenigen planen, mit denen man an wichtigen Themen zusammenarbeitet
  2. Gute Meetings organisieren, Agenda teilen und einhalten- nur Leute einladen, die etwas beitragen können und beziehungsfördernde Elemente gezielt einplanen
  3. Ein, zwei Meeting-freie Tage pro Woche einhalten
 
Das Wohlergehen der Mitarbeiter nicht nur ihnen selbst überlassen.
Einige Mitarbeiter brauchen in der hybriden Welt Unterstützung, sich zu strukturieren und die notwendigen Pausen einzuhalten, Grenzen zu setzen, digitale Erschöpfung zu vermeiden. Die pausenlosen Meetings, die sich in den letzten beiden Jahren eingeschlichen haben, sind kein Dauerzustand. Die Leute brauchen Ermunterung und Hilfe, Pausen konsequent einzuplanen und einzuhalten.
 
Managementteams können Daten idealerweise systematisch nutzen, um übertriebene Zeit in Meetings oder zu lange Arbeitszeiten zu vermeiden und Teams proaktiv entlasten, die zu große Arbeitslast übernommen haben.
 
Ein Feature von unterschätztem Wert ist, Nachrichten zeitverzögert zu senden. Auch wenn darüber geredet wird, dass keine unmittelbare Reaktion erwartet wird, erleben Mitarbeiter oft den psychologischen Druck unmittelbar zu reagieren. Wenn man das berücksichtigt und unkritische Nachrichten während der üblichen Arbeitszeit sendet, hilft es Grenzen zu wahren.
 
Der Einsatz neuer Technologien erhöht die Effizient, macht die Arbeit aber auch zunehmend unpersönlich. Um sich zugehörig zu fühlen, brauchen Mitarbeiter auch einmal ein offenes Ohr, das nicht nur am Tagesgeschäft interessiert ist, sondern auch an ihnen als Person. Die einfache Frage „Wie geht es Ihnen/ Dir?“ und Interesse an ihrer Situation kann einen großen Unterschied machen.
 
Informelle Begegnungen intelligent gestalten.
Die Netzwerke der Mitarbeiter wurden in den vergangenen zwei Jahren kleiner. Während die Zusammenarbeit mit dem engeren Team intensiver wurde, haben sich Kontakte im größeren Netzwerk signifikant ausgedünnt.
 
In der hybriden Welt werden zufällige Begegnungen, wie der Plausch in der Kaffeeküche, seltener. Diese zufälligen Begegnungen zu „planen“, wirkt schnell aufgesetzt und kann einen unangenehmen Beigeschmack bekommen.  

Daher lohnt sich die sorgfältige Überlegung, wie man virtuelle Kooperationsräume, wie Slack etc. auch für informellen Austausch nutzen kann. Das kann eine humorvolle Frage zum Einstieg von Meetings sein oder das Teilen von Fotos vom Wochenendausflug, ein Tipp für ein gutes Lokal oder ein Hinweis für einen guten Film oder ein tolles Buch.
 
Nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch Innovationen brauchen Vielfalt. Führungskräfte sind gefragt, teamübergreifende Zusammenarbeit und spontanen Ideenaustausch anzuregen. Lernen wird wichtiger und in vielerlei Hinsicht anders als zuvor. Wir lernen nicht nur im Seminar, sondern zunehmend durch systematischen den Erfahrungsaustausch voneinander und die Co-Creation mit Kunden.
 
Die Funktion des Büros mit Fokus auf „Employee Experience“ neu überdenken.
Hybride Zusammenarbeit ist ein einmaliges Experiment. Sie gibt die Gelegenheit, den Zweck des Büros neu zu denken. Büroräume können flexibler, anders genutzt werden als bisher.
Gut gestaltet bieten sie:
  • einen guten Mix aus verschiedenen Arbeitszonen für Zusammenarbeit vor Ort, virtuelle Zusammenarbeit oder fokussierte Einzelarbeit
  • eine Technologie, die es leicht macht, einen Arbeitsplatz zu finden und zu reservieren
  • eine einladende Atmosphäre, wo Leute gerne hinkommen und sich aufhalten
 
Der Kontext ist relevant. Er beeinflusst die Stimmung, die Gedanken und das Verhalten der Leute. Mussten Mitarbeiter früher anwesend sein, wird es zukünftig eine Option. Es muss nützlich und angenehm sein, ins Büro zu kommen. Hybride Arbeit eröffnet die Möglichkeit, das Büro zu einem willkommenen Platz der Begegnung und Inspiration werden zu lassen.
 
Büros können Brutstätten von Innovationen sein und nicht Plätze, wo man seine Arbeitszeit absitzt. Das Potenzial hybrider Arbeitsplätze, wenn gut umgesetzt, liegt in zufriedeneren Mitarbeitern, mehr Innovation und besserer Wettbewerbsfähigkeit.

Noch einen Schritt weitergedacht, könnte man Flexibilität noch erweitern. Dann geht es nicht nur darum, wo man arbeitet, sondern auch mit wem, wann und woran. Mit der Einführung hybrider Arbeit könnten auch neue Freiräume ausprobiert und überholte Beschränkungen aufgehoben werden. Was meint Ihr?

* Damit ist weiblich, männlich und divers gemeint.

Kann Empathie "gefährlich" sein ?

9/24/2021

 
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Bild: Shoeb Albolhassani
Was macht wirksame Führung heute aus? Ziele vorgeben, Entscheiden, Organisieren, Kontrollieren? Manager brauchen andere Fähigkeiten, um in einer Welt hybriden Arbeitens, der Automatisierung und veränderten Mitarbeitererwartungen erfolgreich zu sein.
 
Es ist weniger wichtig genau zu wissen, was Mitarbeiter tun, sondern zu verstehen, wie es Ihnen geht. Mit Empathie führen, sich in die Lage ihrer Leute hineinversetzen zu können, gilt als eine der wichtigsten Führungseigenschaften.
 
Empathie kann gefährlich sein, meint Paul Bloom, Professor für Psychologie an der Yale Universität. Er unterscheidet zwischen Empathie, die Gefühle anderer zu teilen und “Compassion“, für jemanden zu empfinden nicht mit ihm.  Ersteres führt leicht zu emotionaler Überforderung und zu irrationalen Entscheidungen.
 
Gerade in Krisensituationen würde das Teilen von Angst und Verunsicherung der Mitarbeiter die eigene Handlungsfähigkeit untergraben und eher zu Erschöpfung führen. Empathie verengt zudem unseren Fokus auf bestimmte Personen in der aktuellen Situation und wir verlieren die längerfristigen Konsequenzen unserer Handlungen aus den Augen.
 
Bloom plädiert daher für ein »rationales Mitgefühl«, das auch die langfristigen Konsequenzen und die Auswirkungen auf Dritte mitbedenkt. Was meinen Sie?

Virtuell Führen- SO BLEIBEN IHRE MITARBEITER MOTIVIERT

6/25/2021

 
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Bild: Jan Babor
Nach zwölf Monaten milder und harter Lock-Downs sind viele Mitarbeiter nach wie vor im Home-Office und haben sich so weit in der neuen Art des Arbeitens eingerichtet. Anfangs war das auch bei vielen sehr willkommen. Man erspart sich die lästige Fahrzeit ins Büro und kann sich seinen Arbeitsplatz nach seinen Bedürfnissen einrichten.
 
Mit der Zeit wurde das allerdings alles etwas mühsam. Das eingefrorene soziale Leben, die Arbeit nur von zu Hause und die Beschränkung auf virtuelle Kommunikation erzeugt eine eigenartig gedämpfte Stimmung. Sie ermüdet und lässt alle Tage gleich erscheinen. Trotz vieler virtueller Meetings fühlen sich die Leute mehr und mehr isoliert.

Diese anhaltend, unerfreuliche Lage stellt Führungskräfte daher vor die Herausforderung, die Energie und Motivation ihrer Mitarbeiter hochzuhalten. Natürlich ist jeder in erster Linie selbst dafür verantwortlich, mit der Lage zurechtzukommen, sich selbst zu motivieren. Führungskräfte können allerdings einen Rahmen schaffen, wo dies leichter gelingt.
 
Hier sind vier Tipps, wie Sie den größten Herausforderungen begegnen können:

1. Struktur und Freiraum geben
  • Unterstützen Sie jene Mitarbeiter, die eine gewisse Struktur brauchen. Nicht alle sind dafür geschaffen sich selbst zu organisieren, sind leicht abgelenkt und begrüßen daher ein wenig Hilfe.
  • Geben Sie laufend Orientierung über Feedback. Holen Sie sich dieses auch selber über regelmäßige, transparente und konsistente Kommunikation. Gestalten Sie diese als Dialog und machen Sie sie leicht zugänglich. Achten Sie auch darauf möglichst keine widersprüchlichen Botschaften zu senden.  
  • Geben Sie den Mitarbeitern größtmögliche Flexibilität, wann und wo sie arbeiten wollen, wenn es die Arbeit erlaubt. Zeigen Sie, dass Sie ihren Mitarbeitern vertrauen. Das ist wahrscheinlich der größte Motivator neben Erfolg. Gehen Sie davon aus, dass die Leute eine gute Arbeit leisten wollen und es nur wenige „Trittbrettfahrer“ gibt.

2. Kommunikation und Kooperation erleichtern
  • Passen sie ihre Meetingkultur an. Verkürzen Sie virtuelle Meetings von 30 auf 20 min und von 60 auf 45 min und nutzen Sie die Zwischenräume für Pausen.
  • Vermeiden Sie längere Meetings. Wenn diese unbedingt erforderlich sind, dann machen Sie jedenfalls nach zwei Stunden 30 min Pause.
  • Bauen Sie Strukturen und virtuelle Netzwerke auf, um Kooperation zu erleichtern und Best Practices bzw. Tipps zu teilen.

3. Respekt und Grenzen zeigen
  • Vereinbaren und begrenzen Sie die Zeit der Erreichbarkeit und ermuntern Sie Ihre Leute, ihre Arbeit so zu organisieren, dass Sie genug Zeit für Erholung haben.
  • Ermöglichen Sie auch, dass Zeit  tagsüber geblockt werden kann, wenn man sich um andere kümmern muss z.B. Homeschooling.
  • Vermitteln Sie Menschlichkeit. Calls können unterbrochen werden, wenn etwas in der Familie oder im Haushalt geregelt werden muss. Es ist in Ordnung die Kamera auszuschalten oder im Hintergrund Kinder oder andere Familienmitglieder zu sehen.

4. Isolation und Einsamkeit verhindern
  • Halten Sie Kontakt und fragen Sie in 1:1 Austausch regelmäßig nach, ob alles ok ist mit Ihren Mitarbeitern selbst und in der Familie. Bieten Sie bei Bedarf Unterstützung an.
  • Organisieren Sie regelmäßig soziale Interaktionen, virtuelle Kaffees oder Happy Hours, wo die Leute einfach nur miteinander plaudern können.
  • Laden sie zu einem gemeinsamen Spaziergang ein, wo sie sich über aktuelle Herausforderungen austauschen können.

Diese Empfehlungen erscheinen naheliegend und selbstverständlich. Dies ist allerdings nicht der Fall. Einiges wurde in den ersten Monaten begonnen und ist nach und nach wieder eingeschlafen. Es ist gar nicht so leicht einen neuen Modus einzuüben, wo man sich nicht regelmäßig persönlich sieht oder eben einmal in der Kaffeeküche austauschen kann.
 
Diese Rahmenbedingen werden uns allerdings noch länger begleiten und daher lohnt es sich, dranzubleiben. Der Gewinn ist, dass nicht nur ihre Mitarbeiter mehr Freude an der Arbeit haben, sondern auch sie selbst.

(Virtuell) Führen - Die Vertrauensfrage

3/5/2021

 
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Bild: Robert Collins
Sind die Leute produktiver oder nicht, wenn sie von zu Hause arbeiten? Nach einem Jahr der Pandemie und weitgehendem Home-Office gehen die Meinungen auseinander. Die einen meinen, dass die Leistung leidet, weil die Menschen abgelenkt sind und weniger kontrolliert werden. Die anderen sehen es umgekehrt. Sie können nach ihrem eigenen Rhythmus und konzentrierter arbeiten.
 
Eins setzt virtuelles Arbeiten jedenfalls voraus: mehr Vertrauen. Ohne Vertrauen könnten wir unseren Alltag nicht bestreiten. Es ist die Grundlage für Kooperation und wichtiges Element jeder Organisation.
 
Doch steht es mit dem Vertrauen in Organisationen oft nicht zum Besten. Noch immer meinen Manager, dass die Mitarbeiter ihr Vertrauen erst verdienen müssen. Sie geben keinen Vertrauensvorschuss und häufig herrscht eine Kultur des Mikromanagements. Manchmal fühlen sich Mitarbeiter sogar überwacht.

Das hat seinen Preis. Wenn das Vertrauen niedrig ist, bezahlt man eine versteckte "Steuer" für jede Transaktion, jede Kommunikation, Interaktion und Entscheidung . Alles wird langsamer, komplizierter und teurer.
 
Vertrauen führt zu mehr Vertrauen.
Nach Luhmann ist Vertrauen ein „Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität“. Das Mittel der Wahl gegen Orientierungslosigkeit und Veränderungsangst. "Wer vertraut, trifft eine Art Vorentscheidung. Vertrauen ist das Zutrauen zu eigenen Erwartungen."

Tatsächlich erleben die meisten Menschen eine größere Verbindlichkeit, wenn Ihnen Vertrauen entgegengebracht wird. Ist das nicht der Fall, werden oft Energien frei, um Kontrollen zu umgehen. Es entsteht eine knausrige Haltung. Man tut genau das und so viel, wie man unbedingt muss – also Dienst nach Vorschrift.
 
Manager wünschen sich das natürlich nicht. Sie wollen engagierte Mitarbeiter, die im besten Sinne zum Unternehmenserfolg beitragen. Und das gelingt nur mit Vertrauen.
 
Nicht nur die Vertrauenswürdigkeit der Menschen steigt, wenn ihnen Vertrauen entgegengebracht wird, sondern auch ihr Selbstvertrauen. Der Pygmalion Effekt beschreibt das Ergebnis von verschiedenen Studien, die zeigen, dass die Leistungsfähigkeit von Menschen steigt, wenn man ihnen mehr zutraut und damit auch mehr vertraut.
 
Dabei geht es nicht um Vertrauen oder nicht. Es geht nicht um blindes Vertrauen. Vertrauen ist immer relativ und spezifisch. In bestimmten Situationen vertraut man bestimmten Personen in einer konkreten Angelegenheit. Das ist wichtig, denn….
 
…Vertrauen ist immer ein Risikoangebot.
Wer es hat, leistet einen Vorschuss an Optimismus. Wer Sicherheit sucht, findet so etwas unangenehm. Bei Überraschungen und Neuerungen, wo es wichtig ist, sich schnell zu verändern, gelingt dies leichter, wenn man mit Menschen zusammenarbeitet, denen man vertraut.

Vertrauen ermöglicht Entscheiden in Situationen, in denen nicht alles recherchiert und kalkuliert werden kann. An die Stelle von Wissen treten Erwartungen bezogen auf etwas, das in der Zukunft liegt.

Vertrauen hat zwei Seiten, derjenige, der Vertrauen gibt und derjenige, der sich als vertrauenswürdig erweist. Ob jemand vertrauenswürdig erscheint, lässt sich aus nachstehender Formel ableiten.
 
Vertrauen= Kompetenz+ Zuverlässigkeit+ Wohlwollen
Mit Kompetenz ist die Fähigkeit gemeint, das anvertraute persönlich und inhaltlich zu erfüllen. Es hat mit Wissen, Erfahrung und Charakterstärke zu tun. Kompetenz bedeutet die Fähigkeit, in einer bestimmten Situation die Verantwortung übernehmen zu können.
 
Konsistenz beschreibt die Zuverlässigkeit, die Integrität - wie kongruent Worte und Taten sind.
 
Wohlwollen heißt, dass der Vertrauenswürdige es gut mit mir meint, er meine Interessen unterstützt, dass ich meine Schwächen zeigen kann.

Wenn Kompetenz oder Konsistenz nicht zufriedenstellend sind, kann es noch gelingen das Vertrauen wieder herzustellen. Fehlt das Wohlwollen, ist es kaum noch möglich.

Das wichtigste Element, sich als vertrauenswürdig herauszustellen ist demnach, nicht nur Eigeninteressen auf Kosten anderer zu verfolgen. Wie Kant es in seinem kategorischen Imperativ formulierte. „Der Mensch existiert als Zweck an sich selbst, nicht bloß als Mittel zu beliebigem Gebrauche“.
 
Das Gegenteil von Vertrauen ist nicht Kontrolle.
Das Gegenteil ist Misstrauen. Kontrolle kann oft sehr hilfreich sein, denn Menschen brauchen Feed-Back. Wenn dieses ausbleibt oder zu rar ist, erscheint die Arbeit bald sinnlos. Die Bemühungen verschwinden in ein „schwarzes Loch“ und damit erstickt jede Motivation.
 
Nicht Kontrolle an sich mindert das Vertrauen, sondern das Motiv dahinter. Kontrolle und Feedback sollen helfen, festzustellen, ob man am richtigen Weg ist. Das kann in vielen Fällen Selbstkontrolle sein. Oft hilft aber die Rückmeldung oder der Antrieb von jemand anderem. Diese sind willkommen, wenn sie dem Gegenüber tatsächlich helfen, besser zu werden und dranzubleiben.
 
Vertrauen ist ein kritisches Element wirksamer Führung.
Vertrauen zu geben und zu erhalten, erleichtert mit den Ungewissheiten besser umzugehen. Das Ziel dabei ist, so weit wie möglich zu vertrauen und seine eigene Vertrauenswürdigkeit auszubauen.
 
Vertrauen entsteht durch Handlungen, nicht durch Worte -"Vertraue mir" lässt Menschen eher vorsichtig werden. Ihre eigene Vertrauenswürdigkeit können Führungskräfte stärken, indem sie
 
Gute Beziehungen aufbauen
  • Klartext reden und Respekt zeigen (...und natürlich ehrlich sind)
  • transparent sind und ihre Fehler korrigieren
  • Kontakt pflegen, zuhören und sich für die Anliegen ihrer Mitarbeiter interessieren
  • zwischen den Mitarbeitern Kontakte aufbauen
  • Erwartungen klären, konstruktives Feedback geben und Konflikte mit anderen lösen
 
Fachkompetenz zeigen
  • gutes Urteilsvermögen bei Entscheidungen einsetzen
  • bestrebt sind, besser zu werden
  • Verantwortung übernehmen und Ergebnisse liefern
  • schnell Probleme antizipieren und angemessen reagieren
 
Konsistenz zeigen
  • als Vorbild agieren und gutes Beispiel zeigen
  • „Walk the talk“- einhalten, was sie versprechen
  • über das Notwendige hinausgehen, positiv überraschen
 
Diese drei Elemente sollten idealerweise im Einklang stehen, wobei das erste den stärksten Einfluss hat.
 
Mehr Vertrauen geben
Anderen Vertrauen zu geben hat oft mit dem Vertrauen in sich selbst und den eigenen Fähigkeiten zu tun. Die Bereitschaft zu vertrauen ist umso höher, je höher das eigene Selbstvertrauen ist.

Wer sich selbst vertraut, geht gelassener durch die Welt. Es fällt leichter, anderen „Gutes“ zu unterstellen und vertrauensvoll auf sie zuzugehen. Selbstbewusste Menschen können sich eine Enttäuschung auch eher leisten. Das hat nichts mit Leichtgläubigkeit zu tun. Zudem zeigen Studien, dass man nicht öfter ausgenutzt wird, wenn man vertraut.
 
Im Gegenteil, es gibt Belege dafür, dass dem, der vertraut auch eher Vertrauen entgegengebracht wird. Wer anderen misstraut, wird dafür häufiger enttäuscht und sieht sich mit seinem Misstrauen bestätigt.
 
Welche Überzeugung man auch hat, sie bewahrheitet sich. “Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“. Ob man anderen vertraut, hängt also oft mehr mit einem selbst zusammen als mit den anderen.

Vertrauen geht davon aus, dass der andere meine Interessen verfolgen und meine Erwartungen erfüllen wird. Es unterstellt der anderen Person gute Absichten. Dennoch ist es sinnvoll die Risiken abzuschätzen und zu eruieren, ob der andere unser Vertrauen verdient.
 
Natürlich kann unser Vertrauen missbraucht werden. Wenn wir die Möglichkeit haben, teilen wir dem anderen unsere Enttäuschung und Erwartungen mit. Verhält sich der andere weiterhin in dieser Weise, distanzieren wir uns am besten von ihm.
 
Die Fähigkeit vertrauen zu können ist wichtig für unsere Beziehungen und für unser Wohlbefinden. Können wir nicht vertrauen, müssen wir ständig auf der Hut sein, ausgenutzt und benachteiligt zu werden. Wir verspüren den ständigen Impuls alles kontrollieren zu müssen. Das ist nicht nur unmöglich, sondern auch ungesund.


VIRTUELL ARBEITEN- steigt die Gefahr für Burnout? Und was können WIR dagegen tun?

2/23/2021

 
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März 2020. Am Anfang fühlte ich mich wie in einem Katastrophen-Film. Zuerst kam die Nachricht, dass die Gastronomie abends schließen muss. Zwei Tage später folgte, dass das auch für alle Geschäfte bis auf die lebensnotwendigen gilt.
 
Der erste Schock.
Donnerstagnachmittags, geräumte Regale in allen Lebensmittelgeschäften. Leute begannen zu horten, was das Zeug hält. Sollte ich jetzt auch sicherheitshalber einkaufen? Wie lange reichen die Vorräte? Die letzten Nudeln und Dosen landeten in meinem Einkaufskorb.
 
Der erste Lockdown brachte die besten und schlechtesten Seiten der Menschen zum Vorschein. Eine Welle von Solidarität sorgte für die Unterstützung der Schwächsten. Allerdings folgt auch gleich die erste Kündigungswelle, trotz des Angebots zur Kurzarbeit. Die Börsen brachen ein und die Sorge war groß.
 
So schlimm, wie befürchtet, kam es dann vorerst doch nicht. Erleichterung erlebten wir dann im Sommer und tatsächlich auch ein paar fast normale Ferientage. Und dann im Herbst der Rückschlag. Einem leichten Lockdown folgte der harte, dann kurze Erleichterung und wieder retour zum harten Lockdown.
 
Diese abrupten Änderungen, die Ungewissheit, die Herausforderungen durch Home-Office und Kinderbetreuung bei gleichzeitig gefühlter Isoliertheit trafen auf Menschen, die oft schon davor chronischem Stress ausgesetzt waren.
 
Die Basis für Burnout wurde lange vor der Pandemie gelegt. Sie ist nur ein Verstärker. Es ist daher nicht überraschend, dass die psychischen Auswirkungen der Pandemie der Gefahr durch das Virus um nichts nachstehen.

Niemand konnte das Ausmaß der Pandemie voraussehen.
Dies ist verständlich. Aber als es absehbar wurde, dass diese Situation länger dauern würde, hätten wir unsere Arbeitsweise überprüfen können. Wir hätten überlegen können, wie wir jene Praktiken vermeiden, die Burnout fördern. Das Gegenteil war der Fall, die Dinge wurden in vielen Fällen schlechter.

Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt. Häufig wird mehr Einsatz erbracht oder schlichtweg erwartet, weil man ohnehin zu Hause ist. Gerade den Engagierten fällt es  schwer, Grenzen zu setzen. Die eingesparte Fahrzeit wird einfach „aufgefüllt“. Eine Flut von Meetings füllt den Kalender, oft ohne Pausen mit ungesund langer Bildschirmzeit.

Neben der Arbeit übernehmen viele auch die Kinderbetreuung und Hausunterricht. Wie erschwerend die Umstände für viele sind, stößt auf wenig Verständnis. Man trifft die Leute ja auch kaum und in den virtuellen Meetings kommt der persönliche Austausch oft zu kurz.
 
Erschöpft, ist das alleine mein Problem?
Christina Maslach, University of California, Susan E. Jackson of Rutgers, und Michael Leiter of Deakin University sprechen von Burnout, wenn drei Symptome zusammenkommen:
  • Emotionale Erschöpfung
  • Gefühle von Zynismus und Distanziertheit vom Job
  • Gefühl von mangelnder Effizienz und Effektivität

Sie haben folgende sechs Hauptursachen für Burnout identifiziert.
  1. untragbare Arbeitsbelastung
  2. Gefühl mangelnder Kontrolle
  3. unzureichende Belohnung für Anstrengungen
  4. Mangel einer unterstützenden Gemeinschaft
  5. fehlende Fairness
  6. widersprüchliche Werte

Trotz dieser Erkenntnis, dass viele Ursachen von Burnout in der Organisation liegen, ist seine Behandlung zumeist eine individuelle Angelegenheit. Man bekommt höchstens Tipps, wie es z.B. mit Yoga oder Meditation zu probieren. Entspannung ist sicher gut für das Wohlbefinden. Für Burnout ist sie alleine nicht effektiv.

Dabei haben gerade die Jüngeren, die Millenials das größte Risiko für Burnout.  Oft erleben sie weniger Autonomie bei der Arbeit, größeren finanziellen Druck und das Gefühl von Einsamkeit. Dabei ist der letzte der gravierendste Faktor .

Die Bedeutung von psychologischer Sicherheit
Amy Edmonson, Professorin an der Harvard Business School versteht unter psychologischer Sicherheit „a shared belief held by member of a team, that the team is safe for interpersonal risktaking“, also ein Klima, in dem sich Leute frei fühlen, ihre Meinung sagen, nach Hilfe zu fragen oder eine Idee einzubringen.

In so einem Klima wird Burnout unwahrscheinlicher. Wir fühlen uns wohler und können unsere beste Leistung erbringen, wenn wir nicht taktieren müssen, wenn wir einfach wir selbst sein können.

Was können also Führungskräfte tun, um psychologische Sicherheit zu erhöhen.
  1. Einen unterstützenden Rahmen setzen und ihre Mitarbeiter an die Bedeutung ihrer Arbeit erinnern. Ihnen muss klar sein, welchen Beitrag sie zu dem leisten, was die Organisation bewirken will. Und fast noch wichtiger ist es, auf die Herausforderungen und Unsicherheit hinzuweisen. In der Regel gehen die Menschen nämlich davon aus, dass Manager Erwartungen formulieren, die sie zu erfüllen haben. Wenn das nicht gelingt, erleben sie das als persönliches Scheitern. Sprechen Führungskräfte aber an geeigneter Stelle selbst von ihren Zweifeln kann sehr wirksam sein. Sie schaffen damit eine Atmosphäre, in der Mitarbeiter mehr wagen und eher aus Fehlschlägen lernen.
  2. Als Coach agieren und dazu einladen sich einzubringen. Das beginnt damit, gute Fragen zu stellen. Speziell in virtuellen Meetings ist es wichtig, Personen auch direkt anzusprechen und nach ihrer Meinung zu fragen. Ermöglichen Sie es allen gehört zu werden. Behandeln Sie die Leute so, wie sie gerne behandelt werden wollen. Versetzen Sie sich in die Lage Ihrer Mitarbeiter. Ein Weg ist schlichtweg auch, Hilfe anzubieten. Die Frage „Wie kann ich Dich unterstützen?“ ist so selten, so hilfreich und so grundlegend.
  3. Konstruktiv reagieren, auch wenn Sie mit Inputs nicht einverstanden sind. Es ist wichtig, auch diese zu respektieren und anzuerkennen. Auch wenn es angenehm ist, wenn alle scheinbar einer Meinung sind, ist das selten tatsächlich der Fall. Fördern Sie daher den Diskurs und ermuntern Sie zu Widerspruch. Feedback ermöglicht lernen. Das ist anstrengend und oft lehnen wir  neue Informationen vorerst ab, die unserem Weltbild widersprechen. Wir hören diese Botschaften erst gar nicht, weil wir nur nach Bestätigung suchen. Es ein Aspekt guter Führung, um diese Wahrnehmungsverzerrung zu wissen und neue Einsichten zu ermöglichen.
 
Oft gehen Führungskräfte davon aus, dass es ihre Aufgabe ist, andere zu bewerten. Tatsächlich ist ihre primäre Aufgabe, andere zu befähigen, indem sie Rahmenbedingungen schaffen, wo Mitarbeiter leicht und gut zum Gesamtergebnis beitragen können.

Neben der psychologischen Sicherheit ist es auch wichtig für ein angemessenes Arbeitspensum zu sorgen. Große Zeitfresser sind oft Meetings und es lohnt sich, jede einzelne zu überprüfen. Ist dieses Meeting notwendig? Wenn ja, brauchen wir länger als 30 min? Wer muss wirklich dabei sein oder kann man Informationen im Nachgang zur Verfügung stellen?

Wichtig ist es auch, Empathie zu zeigen und Mitarbeitern zu ermöglichen, über ihr Befinden bei der Arbeit sprechen zu können. Auch bei einem kurzen Meeting, lohnt sich eine Einstiegsfrage danach, wie es den Leuten geht.

Wie steht es mit meiner Resilienz?
Oft geht es Führungskräften allerdings auch nicht besser als ihren Mitarbeitern. Die Belastungen haben infolge der Coronakrise stark zugenommen. Auch wenn sie Stress in der Regel gewohnt sind, sind viele an Ihre Belastungsgrenze geraten.
 
Was können Sie für sich selbst tun?
  • Überprüfen Sie, was sie kontrollieren können und was nicht. Akzeptieren, was Sie nicht kontrollieren können. Reduzieren Sie den Input von negativen Informationen. Vielleicht ist eine „Nachrichtendiät“ sinnvoll.
  • Machen Sie ein wöchentliches Energie-Audit. Wie fühlen Sie sich sowohl physisch als auch psychisch. Automatisieren Sie das Auffüllen der Reserven. Wenn Sie erschöpft sind, haben Sie nicht mehr die Kraft und Motivation, dafür zu sorgen. Mehr Struktur hilft, Entscheidungen und Stress zu reduzieren.
  • Pflegen Sie private, soziale Kontakte. Wenn man sich gegenseitig unterstützt, beruhigt das. Unterstützung zu geben ist dabei noch wirksamer, als sie zu empfangen. Außerdem je mehr positive soziale Kontakte man hat, desto sinnvoller erscheint das Leben.  
  • Sorgen Sie für regelmäßige Bewegung. Wenn man sich energielos fühlt, meint man fälschlicherweise, dass man Aktivität vermeiden sollte. Das Gegenteil ist der Fall. Bewegung in Maßen steigert die Energie. Am besten wählt man leichte bis moderate Bewegung an der frischen Luft. Das Licht und die unterschiedlichen Wahrnehmungen sind wertvolle Nahrung auch für das Gehirn.
  • Achten Sie darauf, guten Schlaf bekommen. Dafür ist es essenziell eine Routine zu entwickeln. Setzen Sie sich ein „Schlaffenster“, eine Zeit, in der Sie schlafen wollen. Versuchen Sie sieben Tage die Woche so nah wie möglich dabei zu bleiben. Ein paar Kraftübungen oder ein Spaziergang morgens kurbeln den Kreislauf an und die letzte Mahlzeit vor 20 Uhr fördert auch die Schlafqualität.
  • Feiern Sie auch kleine Erfolge. Was hat die Pandemie Sie gelehrt? Wie hat sie Sie, das Team zum Positiven verändert? Verschaffen Sie sich Klarheit darüber, was Sie beibehalten wollen.
Mit kleinen, machbaren und fortlaufenden Interventionen lassen sich die negativen Auswirkungen der Pandemie reduzieren. Wir erhalten die Dividende mit der Zeit in Form von Wachstum statt Erschöpfung. Dafür lohnen sich die Aufmerksamkeit und der Einsatz.

Die Sinnfrage - Wozu dient ein Purpose?

1/29/2021

 
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Wenn Laurence Fink, Vorsitzender des weltgrößten Vermögensverwalters in einem Brief an die CEOs seiner investierten Firmen schreibt, dass ihre Unternehmen einem „Purpose“ dienen sollen, sollte man spätestens hellhörig werden. Möglicherweise versteckte sich mehr als eine neue Managementmode dahinter.
 
Was ist ein Purpose?
Die einfache Übersetzung mit dem Wort Zweck greift etwas zu kurz. Der Purpose beantwortet die Frage, WARUM eine Organisation das tut, was sie tut, welchen Sinn das Ganze hat. Der Anspruch ist, nicht nur Eigennutz und finanzielle oder Wettbewerbs-Ziele zu verfolgen, sondern einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.
 
Dabei meint er mehr als die seit rund zwei Jahrzehnten verfolgte Corporate Social Responsibility. Diese hat sich im Wesentlichen auf das Sponsoring von wohltätige Aktivitäten und damit verbundener positiver PR konzentriert.
 
Der Purpose unterscheidet sich auch von einem Mission-Statement. Dieses beantwortet die Frage nach dem „WAS “ . Der Purpose wiederum beleuchtet den dahinterliegenden Sinn, die beabsichtigte Wirkung.
 
Wofür einen Purpose?
Wieso ist das jetzt wichtig? Die Forderung nach einem Purpose kann als Gegenbewegung an das Streben nach Gewinnmaximierung verstanden werden.
 
Diesen Auftrag, den Milton Friedman schon in den sechziger Jahren gestellt hat, haben insbesondere börsennotierte Unternehmen seit den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts weitverbreitet aufgenommen.
 
Seine Aufforderung, Profite zu steigern, solange man sich im gesetzlichen Rahmen bewegt, hat auch eine Zeit lang auch gut funktioniert, Prosperität erzielt und Investoren zufrieden gestellt.
 
Nach einigen Jahrzehnten zeigen sich die allerdings die bitteren Schattenseiten dieser eindimensionalen Wirtschaftsweise. Die Umweltschäden sind nicht mehr zu ignorieren und die verantwortungslose Ausbeutung von Tier und Mensch nicht mehr zu tolerieren.
 
Weniger ist mehr
An Adipositas sterben mittlerweile weltweit mehr Menschen als an Hunger. Die Berge an weggeworfenen Kleidungsstücken in den Kleidersammlungsstellen müssen entsorgt werden, weil sie keine Verwendung mehr finden. Unsere Behausungen sind gefüllt mit tausenden Dingen, Lagerraum-Anbieter boomen und wir kaufen immer Dinge, die wir kaum oder gar nicht nutzen.
 
Es ist höchste Zeit, in größeren Zusammenhängen zu denken und zu verstehen, dass Absatzzahlen und Profitmargen nicht alleine zählen dürfen.
 
Viele junge, gut ausgebildete Menschen haben das verstanden und suchen ein Wirkungsfeld, in dem sie etwas Positives bewirken können. Ihnen zu erzählen, dass das Ziel ist, die Nr. 1 zu sein, wird sie nicht mehr bewegen.
 
Auch auf der Konsumentenseite tut sich etwas. Immer mehr  Leute haben genug von der „Wegwerfgesellschaft“, beginnen bewusster, oft auch weniger zu konsumieren und achten mehr auf Nachhaltigkeit.
 
Wie formuliert man einen Purpose?
Der Purpose beantwortet die Fragen warum man macht, was man macht und wem die Organisation wie dient oder nutzt?
 
Folgende Schritte können bei der Beantwortung helfen:
  1. Ein guter Ausgangspunkt ist eine Klarheit darüber, WAS das Unternehmen macht.
  2. Der nächste Schritt ist ein Überblick FÜR WEN das Unternehmen tätig ist, wer also die relevanten Stakeholder sind.
  3. Dann folgt die oft nicht leicht zu beantwortende Frage nach dem WARUM oder WOZU?
 
Die Antwort auf die letzte Frage soll Entscheidungen und Verhalten in der Organisation grundlegend leiten. Sie trägt damit auch dazu bei, sich in Richtung der angestrebten Vision zu bewegen.
 
Daher ist es wichtig, dass die Formulierung so kurz wie möglich und so aussagekräftig wie nötig ist. Sie muss mehr als eine Produkt- oder Leistungsbeschreibung sein, darf aber auch nicht zur allgemeinen „Wir machen die Welt besser“ Floskel werden.
 
Eine guter Purpose verbindet Wertversprechen und Werte. Er ist verbunden mit dem, was eine Organisation leisten kann und begründet auf dem, welche Wirkung man bei den Kunden, der Gesellschaft und den Mitarbeitern, also nicht nur bei den Investoren erzielt werden will.
 
Eine spezifische Formulierung bringt allerdings das Dilemma mit sich, dass sich Dinge ändern und der Purpose möglicherweise nicht mehr passt. Auch wenn der Anspruch einer gewissen Dauerhaftigkeit besteht, ist es ein Irrtum, dass der Purpose für alle Zeit gleichbleiben muss. Es empfiehlt sich daher, den Purpose bei jeder Strategieänderung zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.
 
So weit, so schwer und wenn der Purpose endlich einem guten Statement mündet, ist dies erst der Beginn.
 
Wie lebt man den Purpose?
"The purpose of a system is what it does. There is, after all, no point in claiming that the purpose of a system is to do what it consistently fails to do." Stafford Beer

Wenn Sie nicht gerade ein Unternehmen gründen, haben Sie es mit etablierten Routinen und dahinter liegenden Interessenslagen zu tun. Sollte der definierte Purpose ohnehin das beschreiben, was sie tun und bewirken, dann weiter so.
 
Im anderen Fall bedeutet den Purpose zu leben einen Kulturwandel zu erreichen. Dieser beginnt bei den Aktivitäten und mündet in einer Veränderung der Glaubenssätze und Normen aller Beteiligten.
 
Die größere Gefahr für die Wirksamkeit eines Purpose ist allerdings nicht, dass er nicht mehr passt, sondern dass er gar nicht zur Geltung kommt. Es bleibt beim Statement und die alltäglichen Dringlichkeiten führen dazu, dass man bei den etablierten Gewohnheiten bleibt.
 
Wo soll man also beginnen?
Für jede Tätigkeit in der Organisation ist die Frage zu beantworten „Wie trägt diese zu unserem Purpose bei“. Kann diese nicht positiv beantwortet werden, ist die Tätigkeit zu überdenken oder zu verwerfen.
 
Es gibt natürlich auch Routinetätigkeiten, die unabhängig vom Purpose erledigt werden müssen. Sie sind nötig, dass man den Purpose überhaupt verfolgen kann.
 
Entscheidungen bedeuten immer das Abwägen von Trade-Offs. Ein Purpose sollte allen in der Organisation helfen zu guten Entscheidungen zu kommen. Das wiederum setzt voraus, dass alle den Purpose kennen, verstehen und für sinnvoll erachten.
 
Der Pupose wird von allen, oder zumindest den meisten angenommen, wenn dieser nachvollziehbar ist. Er wird umgesetzt, wenn in guten Dialogen ein gemeinsames Verständnis zum Zweck des Purpose entwickelt wird.
 
Dem Management kommt dabei eine herausragende Rolle zu. Sein Verhalten dient als Maßstab für dir Glaubwürdigkeit des Vorhabens. Seine Mitglieder sind allerdings auch nur Menschen und sie weichen an der einen oder anderen Stelle von den Ambitionen ab. Sie brauchen daher einen guten Feedback-Mechanismus, der ihnen hilft, ihr Verhalten einzuschätzen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Die Verhaltensänderung kommt zuerst und macht eine Einstellungsänderung möglich und nicht umgekeht. Der oft umgekehrt begangene Weg ist wenig aussichtsreich.
 
Um den Begriff Purpose ist in den letzten Jahren ein Hype entstanden, der wieder nach einer Modeerscheinung klingt. Um dabei zu sein „verpassen“ sich viele Unternehmen einen Purpose. Mit dem Statement alleine hat dies eine ähnliche Wirkung wie die von Leitbildern, Mission Statements und Visionen in der Vergangenheit, nämlich eine bescheidene.

Wenn Sie es ernst meinen, sollten sie dem Vorhaben daher ausreichend Aufmerksamkeit und Zeit schenken, über eine Formulierung hinausgehen und mit konkreten Verhaltensänderungen starten. Dann sollte die Übung gelingen.

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